Wie groß ist der Schwarzmarkt? Alle Schätzungen im Methodenvergleich
Je nach Quelle spielt fast jeder vierte oder mehr als jeder zweite Euro im Netz bei Anbietern ohne deutsche Erlaubnis. Wir zeigen, woher die Zahlen kommen, wer sie bezahlt hat und was sie wirklich messen.
- Die von der GGL beauftragte Befragungsstudie (Blockchain Research Lab, März 2026) beziffert den unregulierten Anteil am Online-Glücksspiel auf 22,97 % – die Kanalisierung also auf 77 %.
- Der Branchenverband der Online-Casinos (DOCV) und eine Studie des Handelsblatt Research Institute kommen mit Traffic- und Panel-Daten auf eine Kanalisierung um oder unter 50 %.
- Keine Zahl ist „die richtige“: Befragungen unterschätzen tendenziell, Traffic-Analysen überschätzen tendenziell – und alle Seiten haben ein Interesse am Ergebnis.
Die Größe des Schwarzmarkts ist eine der umstrittensten Zahlen der deutschen Glücksspielpolitik. Sie entscheidet mit darüber, ob die strengen Regeln des Glücksspielstaatsvertrags als Erfolg gelten oder als Grund, sie zu lockern. Entsprechend unterschiedlich fallen die Schätzungen aus – je nachdem, wer misst und wie.
Die Schätzungen nebeneinander
Stand März 2026
Daten als Tabelle
| Kategorie | Kanalisierung (%) |
|---|---|
| GGL-Befragungsstudie (2024) | 77,0 |
| DOCV, Nielsen-Panel (03/2023) | 50,7 |
| HRI, mit Steueranalyse | 47,0 |
| HRI, Untergrenze | 35,0 |
| Quelle | Ergebnis | Bezug | Methode | Auftraggeber / Interesse |
|---|---|---|---|---|
| GGL / Blockchain Research Lab (Leitung Dr. Fred Steinmetz), veröffentlicht 16.03.2026 | 22,97 % unreguliert, Kanalisierung 77,03 %1 | 2024 | Befragung von rund 2.000 Glücksspielenden | Aufsichtsbehörde |
| GGL, referenzwertbasierte Schätzung | 500–600 Mio. € Bruttospielertrag illegaler Angebote; modellbasiert 547 Mio. €24 | 2024 | Hochrechnung aus Erträgen bekannter Anbieter und Referenzwerten | Aufsichtsbehörde |
| Deutscher Online Casinoverband (DOCV) | Kanalisierung „deutlich näher bei 50 Prozent“; Panel-Wert 50,7 % für März 2023 | 2023 | Nielsen-Online-Panel, rund 25.000 Personen (Messung von Website-Besuchen) | Verband legaler Anbieter |
| Handelsblatt Research Institute, Oktober 2025 | Schwarzmarktanteil online über 50 %; Spanne der Kanalisierung je nach Ansatz etwa 35–47 % | 2024/25 | Traffic- und Steueranalysen | im Auftrag eines Sport-Medienunternehmens (laut Fachpresse) |
Die ersten beiden Zeilen haben wir am amtlichen Material geprüft (GGL-Pressemitteilung vom 16.03.2026; Tätigkeitsbericht 2025, PDF-Seite 42). Die Angaben von DOCV und Handelsblatt Research Institute geben wir nach Fachpresseberichten wieder; die Originalstudien lagen uns nicht vollständig vor.
Warum die Zahlen so weit auseinanderliegen
Befragungen fragen Spielende, wo sie spielen. Das Problem: Wer bei einem illegalen Anbieter spielt, gibt das nicht immer zu – zumal Spielen dort nach § 285 StGB strafbar sein kann. Viele wissen auch gar nicht, dass ihr Anbieter keine deutsche Erlaubnis hat. Befragungen unterschätzen den Schwarzmarkt deshalb eher.
Traffic- und Panel-Analysen messen Besuche auf Websites. Ein Besuch ist aber kein Einsatz: Wer eine Offshore-Seite nur anschaut oder sie nach einem Werbeklick wieder verlässt, zählt mit. Außerdem gewichten sie Vielspieler und Gelegenheitsspieler gleich. Sie überschätzen den Schwarzmarkt deshalb eher.
Ertragsbasierte Hochrechnungen schätzen, was illegale Anbieter verdienen. Sie hängen stark davon ab, welche Anbieter überhaupt bekannt sind und welche Referenzwerte angesetzt werden.
Hinzu kommt: Fast alle Studien haben einen Auftraggeber mit Interesse am Ergebnis. Die Aufsicht will zeigen, dass ihre Arbeit wirkt; die Branche argumentiert mit einem großen Schwarzmarkt für mehr Spielraum bei Einsätzen, Spielangebot und Werbung. Das macht keine Zahl automatisch falsch – aber jede Zahl sollte mit ihrer Methode zitiert werden.
Was als gesichert gelten kann
- Es gibt einen relevanten illegalen Markt. Die GGL hat 2025 allein 2.263 Internetseiten geprüft und 231 Verfahren gegen Angebote sowie 300 gegen Werbung eingeleitet (TB 2025, PDF-Seite 21).2
- Die Durchsetzung zeigt Wirkung: Ende 2025 waren 1.843 illegale Websites aus Deutschland nicht mehr erreichbar, 178 vom Zahlungsverkehr abgeschnitten, und 254 Anbieter hatten ihr Angebot in Deutschland eingestellt (GGL, 22.09.2026).3
- Seit September 2024 schaltet Google in Deutschland Glücksspielwerbung nur noch für Anbieter mit Erlaubnis.
- Gemessen am Bruttospielertrag ist der geschätzte illegale Online-Markt (500–600 Mio. €) ungefähr so groß wie der gesamte legale Markt für virtuelle Automatenspiele (543 Mio. € in 2025).
Daten als Tabelle
| Kategorie | Verfahren |
|---|---|
| gegen Werbung | 300 |
| gegen unerlaubte Angebote | 231 |
Was das für dich bedeutet
Ausblick
Die Länder müssen bis zum 31.12.2026 einen Evaluierungsbericht zum Glücksspielstaatsvertrag vorlegen (§ 32 GlüStV 2021). Die Schwarzmarkt-Studie ist eine der Grundlagen dafür; die GGL will die Befragung fortsetzen, um Entwicklungen über die Zeit zu zeigen. Wir aktualisieren diese Seite, sobald neue Daten erscheinen.
Häufige Fragen
Wie groß ist der illegale Glücksspielmarkt in Deutschland?
Die GGL schätzt den Bruttospielertrag illegaler Online-Angebote für 2024 auf 500–600 Mio. €. Ihre Befragungsstudie kommt auf einen unregulierten Anteil von 22,97 %. Branchennahe Analysen sehen den Anteil bei 50 % oder höher.
Was ist die Kanalisierungsrate?
Der Anteil des Glücksspiels, der bei Anbietern mit deutscher Erlaubnis stattfindet. Laut GGL-Studie liegt er online bei 77 %.
Warum widersprechen sich die Studien?
Sie messen Unterschiedliches: Befragungen erfassen, was Spielende angeben, Traffic-Daten erfassen Website-Besuche, Hochrechnungen schätzen Erträge. Jede Methode hat eine typische Verzerrung, und die Auftraggeber haben unterschiedliche Interessen.
Quellen & weiterführend
- GGL: Schwarzmarkt-Studie bestätigt … (Pressemitteilung, 16.03.2026)
- GGL: Tätigkeitsbericht 2025 (PDF, veröffentlicht 03.07.2026)
- GGL: Fünf Jahre GGL – Fachbehörde hat sich etabliert (Pressemitteilung, 22.09.2026)
- Meyer, Hayer: Glücksspiel – Zahlen und Fakten. DHS Jahrbuch Sucht 2026, Kap. 2.5 (PDF)
- GGL: Tätigkeitsbericht 2024 (PDF)