Glücksspielstörung: woran Fachleute sie erkennen
„Spielsucht“ ist kein Schimpfwort, sondern eine anerkannte Erkrankung mit klaren Kriterien. Wir erklären sie in einfachen Worten – damit du einordnen kannst, wann es Zeit ist, mit jemandem darüber zu sprechen.
- Fachleute sprechen von einer Glücksspielstörung, wenn über zwölf Monate mindestens vier von neun Kriterien zutreffen – etwa Kontrollverlust, Verlusten hinterherjagen oder Lügen über das Spielen.
- In der internationalen Klassifikation ICD-11 hat sie den Code 6C50, unterteilt in überwiegend offline (6C50.0) und überwiegend online (6C50.1).
- In Deutschland betrifft das 2,2 % der 18- bis 70-Jährigen. Eine Diagnose stellen nur Fachleute – ein Gespräch in einer Suchtberatung ist der einfachste erste Schritt.
Diese Seite ersetzt keine Diagnose. Sie soll dir helfen, Begriffe zu verstehen, die dir in Beratung, Arztpraxis oder Medien begegnen – und einzuschätzen, ob ein Gespräch mit Fachleuten sinnvoll sein könnte.
Die neun Kriterien nach DSM-5
Das amerikanische Diagnosehandbuch DSM-5 beschreibt die „Gambling Disorder“ anhand von neun Merkmalen. In eigenen Worten zusammengefasst:
- Steigende Einsätze: Man muss mit immer höheren Beträgen spielen, um die gewünschte Spannung zu spüren.
- Unruhe beim Aufhören: Weniger spielen oder aufhören macht nervös oder gereizt.
- Erfolglose Versuche: Man hat mehrfach vergeblich versucht, das Spielen zu kontrollieren oder zu beenden.
- Gedanken kreisen ums Spielen: an vergangene Spiele, das nächste Spiel oder wie man an Geld dafür kommt.
- Spielen gegen schlechte Gefühle: etwa bei Stress, Sorgen, Einsamkeit oder Niedergeschlagenheit.
- Verlusten hinterherjagen: Nach einem Verlust wird weitergespielt, um ihn „zurückzuholen“.
- Verheimlichen: Man lügt Familie, Freunden oder anderen gegenüber über das Ausmaß des Spielens.
- Wichtiges aufs Spiel setzen: Beziehungen, Arbeit, Ausbildung oder Chancen sind gefährdet oder verloren.
- Andere zahlen lassen: Man ist darauf angewiesen, dass andere Geld geben, um finanzielle Notlagen durch das Spielen zu beheben.
Treffen innerhalb von zwölf Monaten mindestens vier davon zu, sprechen Fachleute von einer Glücksspielstörung. Nach der Zahl der Kriterien unterscheidet man leicht (4–5), mittel (6–7) und schwer (8–9). Diese Einteilung verwendet auch der Glücksspiel-Survey 2025.1
ICD-11: der Code 6C50
In Deutschland wird mit der internationalen Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation gearbeitet. In der ICD-11 heißt die Erkrankung „Gambling disorder“ (Glücksspielstörung) und hat den Code 6C50.2 Sie ist gekennzeichnet durch drei Kernmerkmale:
- eingeschränkte Kontrolle über das Spielen (Beginn, Häufigkeit, Dauer, Beenden),
- zunehmender Vorrang des Spielens vor anderen Interessen und Pflichten,
- Weiterspielen oder Steigern trotz negativer Folgen.
Das Muster muss zu deutlichem Leidensdruck oder Beeinträchtigungen führen und in der Regel über mindestens zwölf Monate bestehen; bei sehr schweren Verläufen kann die Diagnose auch früher gestellt werden. Die ICD-11 unterscheidet 6C50.0 – überwiegend offline und 6C50.1 – überwiegend online.2
Wie häufig ist eine Glücksspielstörung?
Laut Glücksspiel-Survey 2025 erfüllen 2,2 % der 18- bis 70-Jährigen in Deutschland die Kriterien einer Glücksspielstörung, weitere 5,5 % zeigen ein riskantes Spielverhalten mit ein bis drei Kriterien.1 Survey 2025
Daten als Tabelle
| Riskant (1–3) | 5,5 % |
| Leicht (4–5) | 0,9 % |
| Mittel (6–7) | 0,6 % |
| Schwer (8–9) | 0,6 % |
Junge Erwachsene sind deutlich häufiger betroffen: Unter den 18- bis 25-Jährigen lag der Anteil 2025 bei 4,6 %.4 Mehr zu Verbreitung und Spielformen auf der Seite Glücksspiel-Survey 2025.
Daten als Tabelle
| 2021 | 3,7 % |
| 2023 | 4,9 % |
| 2025 | 4,6 % |
Der Weg zu einer fachlichen Einschätzung
- Selbst einschätzen: Unser anonymer Selbsttest ersetzt keine Diagnose, kann aber helfen, das eigene Spielverhalten in Worte zu fassen.
- Suchtberatung: Beratungsstellen sprechen mit dir kostenfrei und vertraulich, auch ohne Diagnose oder Überweisung. Eine Stelle in deiner Nähe findest du im Hilfe-Finder.
- Hausarzt oder Psychotherapie: Ärztinnen, Ärzte und Psychotherapeutinnen können eine Diagnose stellen und weitere Behandlung einleiten. Ambulante und stationäre Behandlungen werden in Deutschland grundsätzlich von Krankenkassen oder Rentenversicherung getragen; was im Einzelfall gilt, klärt die Beratungsstelle mit dir.
Häufige Fragen
Ab wann gilt man als spielsüchtig?
Fachleute sprechen von einer Glücksspielstörung, wenn innerhalb von zwölf Monaten mindestens vier der neun DSM-5-Kriterien erfüllt sind. Die Diagnose stellen Ärztinnen, Ärzte oder Psychotherapeutinnen – nicht ein Online-Test.
Welchen ICD-Code hat Spielsucht?
In der ICD-11 den Code 6C50 (Glücksspielstörung), mit 6C50.0 für überwiegend offline und 6C50.1 für überwiegend online. In der älteren ICD-10 ist es F63.0. Der Code 6C51 steht für die Computerspielstörung.
Kann ich mich beraten lassen, ohne eine Diagnose zu haben?
Ja. Suchtberatungsstellen und die Telefonberatung unter 0800 1 37 27 00 sind kostenlos und anonym und brauchen keine Diagnose oder Überweisung.
Wie viele Menschen haben eine Glücksspielstörung?
Laut Glücksspiel-Survey 2025 sind es 2,2 % der 18- bis 70-Jährigen in Deutschland; bei den 18- bis 25-Jährigen 4,6 %.
Quellen & weiterführend
- Buth, Meyer, Rosenkranz, Kalke (ISD Hamburg/Universität Bremen): Glücksspiel-Survey 2025 (PDF)
- WHO: ICD-11 for Mortality and Morbidity Statistics – 6C50 Gambling disorder
- WHO: ICD-11 – 6C51 Gaming disorder
- Buth, Meyer, Rosenkranz, Kalke (ISD Hamburg/Universität Bremen): Glücksspiel-Survey 2025 (PDF)
- BIÖG: check-dein-spiel.de – Beratung kostenlos und anonym