Die Geschichte des Video Poker: Wie ein Kartenspiel in den Automaten kam
Video Poker Geschichte: vom Walzen-Automaten 1891 über Si Redds Draw Poker und das goldene Zeitalter in Las Vegas bis zum Online-Spiel in Deutschland.
- Poker-Automaten gibt es seit dem späten 19. Jahrhundert – damals mit mechanischen Walzen statt gemischtem Deck.
- Der Durchbruch kam Ende der 1970er mit Si Redds Draw Poker, aus dessen Firma später IGT wurde.
- Die Zeit der Automaten mit über 100 % RTP ist weitgehend vorbei. Heute ist Video Poker vor allem ein Spiel mit kleinem, aber realem Hausvorteil.
Video Poker wirkt wie ein Kind der Computerzeit. Tatsächlich ist die Idee über 130 Jahre alt – nur dass die ersten Geräte eher Glücksräder mit Spielkarten waren. Die Geschichte erzählt viel darüber, warum Video Poker heute so ist, wie es ist: transparent in der Mathematik und trotzdem ein gutes Geschäft für das Haus.
1890er: Poker auf Walzen
Ende des 19. Jahrhunderts tauchten in amerikanischen Bars die ersten Poker-Automaten auf. Als Pionier gilt die Firma Sittman and Pitt aus Brooklyn (New York), die Anfang der 1890er-Jahre – meist wird 1891 genannt, teils auch 1893 – ein Gerät mit fünf drehbaren Trommeln baute. Auf jeder Trommel waren zehn Spielkarten abgebildet, insgesamt also 50 statt 52 Karten. Üblicherweise fehlten die Pik-Zehn und der Herz-Bube.
Ein echtes Pokerspiel war das nicht. Du hast eine Münze eingeworfen, an einem Hebel gezogen und gehofft. Ausgezahlt hat oft nicht der Automat, sondern der Wirt – in Freigetränken oder Zigarren, je nach Hand. Weil einzelne Karten fehlten, wurden starke Hände wie der Royal Flush zusätzlich unwahrscheinlicher – ohne Pik-Zehn und Herz-Bube waren nur noch zwei der vier Royals überhaupt möglich. Das Haus hatte schon damals einen eingebauten Vorsprung.
Frühes 20. Jahrhundert: Die Idee des Haltens
Den entscheidenden Gedanken – Karten halten und den Rest neu ziehen – brachten Draw-Poker-Automaten um die Jahrhundertwende. Eine wichtige Rolle spielte Charles Fey, ein aus Vöhringen in Bayerisch-Schwaben stammender Mechaniker in San Francisco, der vor allem als Erfinder des Slots „Liberty Bell" bekannt ist. Ihm wird ein Poker-Automat namens „Skill Draw" von 1901 zugeschrieben, bei dem man Karten halten und neu ziehen konnte.
Mit der Halte-Funktion bekam das Spiel etwas, das Slots nie hatten: das Gefühl, mitzuentscheiden. Und dieses Gefühl war nicht nur Illusion. Wer klug hielt, verbesserte seine Chancen tatsächlich.
1970er: Der Bildschirm kommt
Erst mit Elektronik und Bildschirmen wurde aus der Mechanik echtes Video Poker. Anfang der 1970er-Jahre (meist wird 1970 genannt) brachte die Firma Dale Electronics mit „Poker-Matic" das erste elektronische Video-Poker-Gerät heraus. Es stand bereits in Casinos in Las Vegas, zum Massenphänomen wurde Video Poker aber erst später. Der Weg war vorgezeichnet: ein virtuelles, gemischtes Deck mit 52 Karten, gesteuert von einem Programm.
Den Durchbruch schaffte William „Si" Redd. Der frühere Bally-Vertriebspartner brachte 1979 zusammen mit dem Automatenbauer Fortune Coin aus Reno den Automaten „Draw Poker" auf den Markt, der den heutigen Geräten schon sehr ähnlich war. Aus der Zusammenarbeit entstand die Firma SIRCOMA (Si Redd's Coin Machines). Anfang der 1980er-Jahre (Umbenennung 1980/81, Börsengang 1981) wurde daraus International Game Technology (IGT) – bis heute einer der größten Hersteller von Spielautomaten.
1980er bis 2000er: Das goldene Zeitalter
In den 1980er-Jahren eroberte Video Poker die Casinos in Las Vegas. Jacks or Better wurde zum Standard: ein Paar Buben gibt den Einsatz zurück, alles darüber bringt Gewinn. Das war nicht von Anfang an so: Beim frühen „Draw Poker" zahlten erst Zwei Paare. Erst als die Mindesthand auf ein Paar Buben gesenkt wurde, begann der eigentliche Boom.
Dann passierte etwas Ungewöhnliches. Spielende merkten, dass man die Auszahlungsquote eines Video-Poker-Automaten selbst berechnen kann – anders als bei jedem Slot. Bücher, später Computerprogramme, rechneten die optimale Strategie für jede Paytable durch. Plötzlich wussten Kundige, dass ein Jacks-or-Better-Automat mit 9/6-Tabelle 99,54 % zurückgibt und einer mit 8/5 nur 97,30 %.
Einige Casinos boten sogar Tabellen an, die mit perfektem Spiel über 100 % lagen, darunter Deuces Wild Full Pay mit 100,76 %. Warum? Weil die Rechnung des Hauses trotzdem aufging:
- Die allermeisten spielten nicht perfekt und lagen deutlich unter 100 %.
- Die Geräte lockten Kundschaft, die nebenbei Getränke, Hotelzimmer und andere Spiele bezahlte.
- Die wenigen echten Profis machten nur einen kleinen Teil des Umsatzes aus.
Das Ende der großen Tabellen
Mit der Zeit wurde das Wissen um optimale Strategie zum Allgemeingut, zuerst durch Bücher und Software, dann durch das Internet. Casinos reagierten, wie Unternehmen reagieren: Sie bauten die großzügigsten Tabellen ab, senkten Höchsteinsätze auf diesen Geräten oder strichen Vergünstigungen für Video-Poker-Spielende.
Heute sind Automaten mit über 100 % RTP selbst in Las Vegas Raritäten. Wo es sie noch gibt, sind die Einsätze oft niedrig begrenzt, sodass sich der theoretische Vorteil kaum lohnt.
1990er bis heute: Video Poker im Internet
Mit den ersten Online-Casinos Mitte der 1990er-Jahre wanderte Video Poker ins Netz – als eines der ersten Spiele überhaupt. Online fiel eine Grenze weg: Ein Casino musste keinen Platz mehr für Geräte reservieren. Varianten vervielfachten sich, es entstanden Multi-Hand-Spiele mit 10, 50 oder 100 Händen gleichzeitig und Formate wie Pick'em Poker.
Gleichzeitig wurde die Paytable-Auswahl unübersichtlicher. Dasselbe Spiel läuft online in sehr unterschiedlichen Versionen. Wie du gute von schlechten Tabellen unterscheidest, zeigt unser Vergleich der Video-Poker-Varianten.
Warum Video Poker nie die Slots überholt hat
Trotz seines Rufs blieb Video Poker immer ein Nischenspiel neben den klassischen Walzen-Slots. Dafür gibt es handfeste Gründe:
- Es verlangt Aufmerksamkeit. Wer gedankenlos klicken will, ist beim Slot besser bedient. Video Poker bestraft Unaufmerksamkeit mit Strategiefehlern.
- Es ist für Casinos weniger lukrativ. Ein Hausvorteil von 0,5 bis 3 % bringt dem Haus pro Euro deutlich weniger als ein Slot mit 4 bis 8 %.
- Es kennt keine Show. Keine Freispiel-Feuerwerke, keine Bonusrunden mit Animation. Für viele wirkt es nüchtern, fast schon trocken.
Gerade diese Nüchternheit macht es für Menschen interessant, die verstehen wollen, wofür sie bezahlen. Wie unterschiedlich Slots und Video Poker intern funktionieren, erklärt unser Ratgeber So funktionieren Slots.
Video Poker in Deutschland heute
In Deutschland regelt seit dem 1. Juli 2021 der Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV 2021) das Online-Angebot. Wie Video Poker darin einzuordnen ist, hat die Aufsicht nicht ausdrücklich festgelegt. Wird es bei einem Anbieter mit GGL-Erlaubnis als virtuelles Automatenspiel angeboten, gelten dieselben Regeln wie für Slots. Das bedeutet unter anderem:
| Regel | Was sie für Video Poker heißt |
|---|---|
| Grundsätzlich 1 € Höchsteinsatz pro Spiel (seit 07/2026 unter Auflagen ab 21 bis 3 € bzw. 5 €, befristet bis Ende 2027) | Beim Standardlimit sind fünf Münzen à 0,20 € das Maximum |
| Im Schnitt mindestens 5 Sekunden pro Spiel | Höchstens 720 Hände pro Stunde |
| Keine Jackpots, kein Autoplay | Keine progressiven Royal-Jackpots, jede Hand einzeln starten |
| 5,3 % Virtuelle Automatensteuer (auf den Einsatz nach Abzug der Steuer, effektiv rund 5 %) | Drückt die Paytables in der Praxis |
| Einzahlungslimit grundsätzlich höchstens 1.000 €/Monat | Gilt anbieterübergreifend |
Das Angebot bei legalen Anbietern ist klein. Tabellen über 100 % sind dort nicht zu erwarten. Mehr zur Rechtslage erklärt der Ratgeber zum Glücksspielstaatsvertrag, einen Blick auf die lange Linie des Glücksspiels wirft unser Magazin-Artikel zur Geschichte des Glücksspiels.
Was die Geschichte lehrt
Video Poker ist das ehrlichste Automatenspiel, weil seine Mathematik offenliegt. Seine Geschichte zeigt aber auch: Sobald Spielende einen echten Vorteil hatten, haben Casinos die Regeln geändert. Das Haus findet seinen Weg – heute über schwächere Paytables, Steuern und Tempo.
Wer Video Poker heute spielt, sollte es deshalb als das sehen, was es ist: ein Spiel mit kleinem, aber realem Hausvorteil. Ein Budget vorher festzulegen ist dabei keine Spaßbremse, sondern die Grundregel. Hilfe und Tipps findest du im Bereich Spielerschutz.
Nachgerechnet: was die Paytable heute kostet
Die Geschichte des Video Pokers ist auch eine Geschichte der Paytables – und die entscheiden bis heute, was eine Stunde kostet. Geprüft 11/2026
Daten als Tabelle
| Paytable | Rückzahlung |
|---|---|
| Deuces Wild Full Pay | 100,76 % |
| Jacks or Better 9/6 | 99,54 % |
| Jacks or Better 8/5 | 97,30 % |
| Zum Vergleich: Online-Slots (Marktschnitt 2025) | 88,10 % |
Häufige Fragen
Wann wurde Video Poker erfunden?
Mechanische Poker-Automaten gab es ab den 1890er-Jahren. Elektronische Video-Poker-Geräte mit Bildschirm kamen in den 1970er-Jahren auf, der kommerzielle Durchbruch gelang Ende der 1970er- und Anfang der 1980er-Jahre.
Wer hat Video Poker erfunden?
Es gibt nicht die eine Erfindung. Frühe Poker-Automaten stammen von der New Yorker Firma Sittman and Pitt. Als Vater des modernen Video Poker gilt Si Redd, dessen Firma SIRCOMA später zu IGT wurde.
Warum gab es Video Poker mit über 100 % Auszahlung?
Casinos rechneten damit, dass kaum jemand fehlerfrei spielt. Die meisten Spielenden lagen trotz guter Tabellen unter 100 %, und die Casinos verdienten weiter. Mit verbreitetem Strategiewissen verschwanden diese Tabellen nach und nach.
Seit wann gibt es Video Poker online?
Seit den ersten Online-Casinos Mitte der 1990er-Jahre. Video Poker gehörte von Anfang an zum Standardangebot.
Gibt es Video Poker in Deutschland?
Ja, aber selten. Wie Video Poker rechtlich einzuordnen ist, hat die Aufsicht nicht ausdrücklich festgelegt. Wird es bei einem Anbieter mit GGL-Erlaubnis als virtuelles Automatenspiel angeboten, gelten die strengen Regeln für Online-Slots. Das Angebot ist klein.
Quellen & weiterführend
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL)
- Las Vegas Advisor: Who invented video poker?
- Wizard of Odds: Video Poker (Paytables und Rückzahlungsquoten)
- § 37 RennwLottG: Bemessungsgrundlage der Virtuellen Automatensteuer
- § 38 RennwLottG: Steuersatz 5,3 %
- Glücksspielstaatsvertrag 2021 (Volltext, gesetze-bayern.de)
- GGL: Tätigkeitsbericht 2025 (PDF)